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Als Basis stand ein Trio an Araber-Hengsten zur Verfügung
– die allerdings die englische, reservierte Mentalität
vor unüberwindliche Hindernisse stellte. Araber sind klug,
menschenbezogen – und stehen gerne im Mittelpunkt ! Wie
soll so was – elegant – aussehen ? Bei der züchterischen
Überarbeitung gelang es außerdem den Vollblütern
einen Hals zu geben (den sie auch vorwärts-abwärts tragen
können), das Aussehen der gebrochenen Nase wurde korrigiert
und letztendlich erhielten die Tiere auch eine Größe
die in der Kutsche nicht lächerlich aussieht und einen Widerrist,
der die Zukunft von Generationen von Sattelmeistern sichert...
Eigenheiten, Eigenschaften & alles was ein Reiter
wissen sollte...
Das Vollblut verfügt wie der Isländer über 5 Gangarten.
Als 4. Gangart zwischen Schritt und Trab zählt der Schrapp
und lässt sich genau so bequem sitzen wie der Schweinepass.
Nach dem Galopp folgt der Flach-und-Wech. Ebenfalls so gut zu
steuern und zu kontrollieren wie der Rennpass, halt nur 30 Stundenkilometer
schneller. In dieser Gangart nützt auch ein Hilfeschrei nicht
mehr – wenn man nicht den Mund voller Fliegen haben will,
oder gar riskiert, dass aus diesem Tempo das Pferd kurzfristig
stoppt oder auf 2 qm Grund kehrt macht.
Die erste Regel beim Besitz eines Vollblutes heißt:
Beschäftige es – sonst beschäftigt es dich! Man
kann es auch anders formulieren:
Ein Vollblut wird immer reagieren – sinnvoll ist es, wenn
es auf den Reiter reagiert und sich nix anderes suchen muss!
Die
zweite Regel beim Besitz eines Vollblutes heißt:
Tut sich nix – gibt’s nich`!
Glauben sie ruhig – mit einem Vollblut wird ihnen beim Reiten
nicht langweilig. Blüter sind geduldige Tiere – etwa
eine Bahnrunde lang ... oder eine halbe Minute im Gelände...
Tiere, bei denen obige Regeln besonders ausgeprägt sind nennt
man Staun-Hüpfer. Staun-Hüpfer sind im Gelände
in der Regel unterbeschäftigt. Den Kopf weit erhoben suchen
sie etwas, vor dem sie staunend stehen bleiben könnten, kurz
alle Muskeln anspannen und dann mit einer 360 Grad Auswahl davon
hüpfen. Und Sie werden erstaunt sein, vor was ein Blüter
alles überrascht ist! Notfalls wenn der Weg eben und gerade
ist...
Unerfahrene
Reiter neigen dazu, im Anschluss an das Staun-Hüpfen
(mehr sich, als dem Pferd zuliebe!) mit Beruhigungsformeln: „ohh-schön-brav-ist-ja-alles-gut-kein-Problem“
sich die nervliche Überforderung von der Seele zu reden.
Das Blüterlein, das sich eben entspannt unter ihm schüttelt
(na, Reiter, bist du auch wirklich wach?) nimmt dieses Gemurmel
als Belobigung auf. Und von Lob will man ja immer mehr haben...
Dem
Staun-Hüpfer begegnet der erfahrene Reiter
mit einem einzigen Wort (fortissimo):
*ja-sack-zement-wirst-du-wohl-den-Scheiss-bleiben-lassen!!!*
(und vermerkt sich, die Kraftfutterration auf ein paar Notbrösel
zu kürzen...)
Umgang und Unumgänglichkeiten: Im
Umgang sind Vollblüter unkompliziert. Behaupten alle Vollblutreiter.
Man muss halt nur ein paar Regeln beachten...
- Personen
mit Geschwindigkeitsallergien & Bluthochdruck sollten Blüter
meiden...
- Haben Sie
Humor! Besser Sie lachen darüber, wenn Sie ausgeschmiert
werden..
- Gut gebrüllt
ist halb bestraft sacht mein Vater immer: Blüter haben
sensible Ohren!
- Seien Sie
konsequent, auch wenn der Blüter seine härteste Waffe
auspackt: Die Show
The
show must go on !
Die Show ist eine Maßnahme des Blüters und wird insbesondere
vor Publikum angewandt. Jedes Pferd legt sich mal mit dem Reiter
an. Der Haffi kann (so sacht der Frange) garschtig werden, der
Isi kann sich super-bomben-steif machen – Blüter legen
eine tierschutzrelevante Show hin: Sie drehen den Adrenalinspiegel
etwas auf, fördern die Schweißausbringung und versetzen
ihre Beine in Gehüpfe. Gleichzeitig forcieren sie los-reiß-Versuche,
rollen mit den Augen und geben das gänzliche Bild eines Tieres
ab, das vom bösen Reiter misshandelt wird oder von dem Dinge
verlangt werden (ein 20 cm Gräbelchen) die ja grundsätzlich
eine Überforderung darstellen. Ziel des Ganzen ist –
dem Reiter ein schlechtes Gewissen, und vor Publikum ein schlechtes
Image zu verpassen.
Erfolglos wenn Reiter konsequent ebenso eine Gegenshow hinlegt,
überlebt und dann wird die Sache binnen Sekunden uninteressant
und abgeblasen. Bis zum nächsten Mal und zum nächsten
Publikum – the show must go on!
Von der Dressurfähigkeit sind Vollblüter hochbegabt:
Angaloppieren aus dem Stand können sie ab Fohlenalter, fliegender
Galoppwechsel, Außen- und Kontergalopp – kein Problem!
Nur – sie setzen es meist grundsätzlich ohne Aufforderung
und möglichst noch gegen den Reiter ein (siehe Diskussion
am Feldwegsende), was einem Abrufen der Fähigkeiten innerhalb
einer festgelegten Dressurprüfung widerspricht. Wär
ja auch langweilig!! (siehe Vollblutregel Nr. 2)
Irgendwann kommt auch der Vollblut-Geländereiter mal in ein
Dorf – und an spiegelnden Schaufensterscheiben vorbei. Oh!!
Was er dorten in seiner Person & Pferd im Widerschein sieht
– hat doch recht wenig mit seiner Idealvorstellung von geradem
Sitz, eleganter Reitweise und sauber aufgerichtetem Pferd wie
er es aus dem Fernsehen kennt zu tun ! Ähnelt er wohl einem
Kosaken?
Knie fest
geschlossen, die Waden weit weg vom Gaspedal nach vorn gestreckt,
den Sitz leicht nach vorn gebeugt (bei Staun-Hüpfer-Pferden
anzuraten – lieber beim Davonschießen vor der Bewegung
als dahinter!) und den Kopf eher eingezogen als stolz ....
Innerlich
tief verunsichert und nachdenklich tritt er den Heimweg an –
wohl wissend, dass es wohl Leute gibt, die das in der Not Reiten
nennen; aber genug Eigenreflexion besitzt eine solche Ausrede
für sich nicht gelten zu lassen.
ENDE |